Perspektivwechsel

Die Beweggründe die den Menschen zu einer Auseinandersetzung mit der Sozialen Frage führen, können aus verschiedenen Richtungen kommen. Der eine sieht sich mit seinen finanziellen Belangen in Strukturen, Notwendigkeiten und Zwänge einverwoben und sucht Möglichkeiten und Formen die ihm mehr Unabhängigkeit und Selbstgestaltung erlauben. Ein anderer ahnt, dass er mit seinem Finanzverhalten an der Entstehung der globalen Finanznöte und Krisen mitbeteiligt ist und möchte die Hintergründe kennen, um verantwortlich gegenüber dem Weltganzen handeln zu können. Eine dritte Richtung kann bei demjenigen vorherrschen, der nach geistigen Zusammenhängen und Ideen sucht. Mit fortschreitender Einsicht in die Gesetzmässigkeiten der menschlichen Entwicklung wird er erst ahnend einen Abgrund fühlen zwischen den von ihm rein geistig geschauten Ideen und seinem alltäglichen Verhalten auf wirtschaftlichem Feld. Aus dieser Ahnung kann dann nach und nach die Gewissheit erwachsen, dass alle rein geistig gefassten Ideen kraftlos und bedeutungslos bleiben müssen, solange sie nicht die alltäglichsten Belange des sozialen Lebens ergreifen und gestalten. 

Aus dieser Gewissheit hat Rudolf Steiner ab 1919 mit Schriften, Artikeln und Vorträgen zur sozialen Frage und damit im Besonderen zur Dreigliederung des Sozialen Organismus begonnen, an der Brücke über den Abgrund zwischen Ideenwelt und der Sinnenwelt zu bauen. Seither haben unzählige Menschen mit fachkundigen Publikationen, sowie Vereinigungen und Einrichtungen mit unermüdlichem Streben nach erneuerten sozialen Formen bedeutende Beiträge zu dieser Brücke geleistet. Und doch sagen uns die weltweiten sozialen Nöte und Finanzkrisen, dass wir mit noch grösserer geistiger Intensität und Verantwortlichkeit daran weiter bauen sollen. Nun wäre es missverständlich zu meinen, die besagte Brücke zwischen der Ideenwelt und den konkreten wirtschaftlichen Handlungen könnte aus Grundsätzen, Anweisungen und Regelungen bestehen. Unzählige Bücher müssten entstehen wenn auf diese Weise alle möglichen Fälle erfasst werden sollten. 

Wie eine Grundforderung unserer Zeit beschreibt Rudolf Steiner hingegen die Notwendigkeit, dass ein wirklichkeitsgemässes Denken ausgebildet werde – als Antwort auf die Katastrophe des ersten Weltkrieges und als eine unabdingbare Grundlage für die Erneuerung des sozialen Lebens. So soll Im Mittelpunkt dieser Initiative die Suche, Erprobung und Weiterentwicklung einer solchen Denkweise stehen. Einer Denkweise, die frei von Naturnotwendigkeiten, Sorgen und Ängsten ist und die die möglichen Lösungsansätze nicht von der Problemstellung kausal ableitet, sondern aus der gesuchten Zusammengehörigkeit aller Menschen entwirft. 

Unser Anliegen ist zum einen Ideen und Zusammenhänge zu erfassen, die die Menschen begeistern und erkraften können und zum anderen, für jedermann gehbare Wege mit niederschwelligen Umsetzungsschritten zu skizzieren als Anregung und Ermutigung für eigene Versuche.